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Feuchtgebiete - (un)angenehm unzimperlich

14. April 2008, 17:06 Uhr, mf

Der erste Satz im ersten Kapitel lautet „Solange ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden.“, erster Satz im zweiten Kapitel „Hygiene wird bei mir kleingeschrieben“. Wer denkt, er wüsste jetzt Bescheid über Charlotte Roches Romandebüt mit dem (wirklich nur auf den ersten Blick zweideutigen) Namen „Feuchtgebiete“, der hat sich leider zu früh gefreut.

Fast schon harmlos sind nämlich diese beiden Aussagen gegen das, wodurch man sich auf den restlichen 220 Seiten des Buches quälen muss. Zugegeben, an einigen Stellen ist es durchaus unterhaltsam, was Charlotte Roche sich für das Leben ihrer Romanheldin Helen ausgedacht hat. Besagte Helen liegt nämlich nach einer missglückten Intimrasur im Krankenhaus und hält dort mit ihrer freizügigen Art das Krankenhauspersonal auf Trab. An einigen Stellen wirkt das sonst so toughe Mädchen sogar richtig verletzlich, wünscht sich die Versöhnung ihrer geschiedenen Eltern am Krankenbett und tut deshalb alles, um ihren Krankenhausaufenthalt zu verlängern. Oftmals sind ihre Geschichten, Erinnerungen und auch gegenwärtigen Machenschaften aber einfach nur derart unappetitlich, dass man sich gleich auf die Suche nach einer Spucktüte machen möchte.

„Angenehm unzimperlich“ soll es sein, dieses Buch. So steht es auf dem Buchrücken. Unzimperlich sicherlich, angenehm… nun gut, an dieser Stelle scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Fest steht, dass es so ein Buch bislang nicht gegeben hat. Aber hat die Welt darauf gewartet? Nachdem „Feuchtgebiete“ zunächst von einem Verlag mit der Begründung abgelehnt wurde, es sei zu pornografisch, beweist nun ein Blick auf die Bestsellerlisten, dass Charlotte Roche offensichtlich doch den Nerv der Zeit getroffen hat. Mehr als 400.000 Exemplare ihres provokanten Romandebüts wurden bereits verkauft. Stellt sich eigentlich nur die Frage, womit man dieses Buch zukünftig noch toppen kann. Aber vermutlich hat Frau Roche noch viele schmutzige (unhygienische) Fantasien, die sie gerne mit dem Rest der Welt teilen möchte. Ob der Rest der Welt dann auch noch daran teilhaben möchte oder nach „Feuchtgebiete“ womöglich doch schon genug hat von Eiter, Sperma, selbst gedrehten Tampons, usw., das ist dann die andere Frage.

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Ein Kommentar

  1. von Feuchtgebiete: (un)angenehm unzimperlich (15. April 2008, 00:03 Uhr)

    […] Den vollständigen Artikel lesen: Zur Nachrichtenquelle […]

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